Jugend aktiv

Politiker standen Jugendlichen Rede und Antwort


In Vorbereitung der diesjährigen Kommunalwahlen hatten Jugendliche aus dem Dekanat Erfurt am 5. März den Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) und den Jugendhilfeausschuss-Vorsitzenden Michael Panse (CDU) als Gäste bei einem Gesprächsabend.

Die Würfel sind gefallen - zwar noch nicht bei der diesjährigen Kommunalwahl in Erfurt, die erst am 7. Juni stattfindet. Dafür wurde schon einmal kräftig gewürfelt bei einem Gesprächsabend der Erfurter Dekanatsjugend am 5. März im Pfarrsaal der Lorenzgemeinde in Erfurt.

 

 

Die Jugendlichen hatten sich im Vorfeld jede Menge Fragen überlegt und ein kleines Wettspiel ausgedacht, um auf diese Weise mit den eingeladenen Lokalpolitikern ins Gespräch zu kommen.

 

 

Der Einladung gefolgt sind der Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) und der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Michael Panse (CDU).

 

Diese hatten mit ihren Spielsteinen eine Strecke zurückzulegen, die aus verschiedenfarbigen Feldern bestand.

Jede Farbe stand dabei für eine bestimmte Frage: Gelb für Bundespolitik, Grün für Privates und Blau für Lokalpolitik.

So war die Themenpalette des neunzigminütigen Gesprächs sehr groß. Sie reichte von der Ganztagsschule, Schülerdemos und Studiengebühren, über ein Tempolimit auf Autobahnen, Schwarzfahrern in der Erfurter Straßenbahn und Bernd das Brot bis hin zu Fragen wie die Politiker Weihnachten feiern oder welchen Film sie zuletzt im Kino angeschaut haben.

Gern gaben die Gäste jeweils Auskunft. So wünschte sich Michael Panse bei der Frage, wie Jugendliche besser für die Politik gewonnen werden könnten, mehr Beteiligung von jungen Menschen sowie Orte und Möglichkeiten, wo Politik erlebbar wird. Solche Gespräche, wie an diesem Abend könnten viel dazu beitragen, denn auch die Politiker hätten gelernt, dass sie noch öfter zu den Menschen hingehen und ihre Entscheidungen erklären müssen. Auf die Frage, was seine jugendpolitischen Schwerpunkte nach der Wahl sein würden, bekannte sich der CDU-Politiker ganz eindeutig zur verbandlichen Jugendarbeit, die in Erfurt erhalten werden müsse. Da in den Jugendverbänden viel Bildung vermittelt wird, seien diese sogar noch stärker zu unterstützen als die offenen Jugendtreffs.

Auch der Oberbürgermeister erhielt eine Frage dazu, wie Jugendliche noch mehr Mitspracherechte erhalten könnten. Er plädierte darauf hin, das Wahlalter auf 16 Jahre abzusenken. Bereits bestehende Kinder- und Jugendparlamente hingegen hätten seiner Einschätzung nach - abgesehen von wenigen Ausnahmen - nicht immer so gut funktioniert und müssten daher überdacht werden. Bei der Frage, wie noch mehr Jugendliche für's Wählen begeistert werden könnten, verwies Bausewein auf die vielen Menschen die jahrzehntelang für Demokratie und ein echtes Wahlrecht gekämpft haben. Außerdem würde er gern Positives nach vorn stellen, denn die derzeitig wahrzunehmende negative Stimmung sei für ihn unerträglich.

Einig waren sich beide Politiker, dass der Rechtsextremismus auch in Erfurt ein ernsthaftes Problem ist und einer der größten Wünsche deshalb sei, dass nur Demokraten in den neuen Stadtrat gewählt werden. Aber auch für die Besetzer des Hauses auf dem ehemaligen "Topf-und-Söhne-Gelände" äußerten beide wenig Verständnis. Der Oberbürgermeister betonte die angebotene Vermittlung der Stadt, die aber aufgrund der mangelnden Bereitschaft der Besetzer, an einer Lösung mitzuarbeiten, scheiterte.

Nicht alle Fragen an diesem Abend waren vorformuliert. Hin und wieder kamen die Spielfiguren auf ein Feld, das eine Publikumsfrage auslöste. So beschwerte sich ein Jugendlicher darüber, dass noch zu wenig für Radfahrer in der Landeshauptstadt getan würde. Michael Panse wollte dem nicht ganz zustimmen und verwies beispielsweise auf die neue Radstation am Hauptbahnhof. Verbesserungsbedarf sah er dagegen vielmehr beim teilweise noch zu geringen Verständnis einzelner Verkehrsteilnehmer untereinander.




Am Ende der Veranstaltung war zu spüren, dass diese "Talkshow" irgendwie allen Beteiligten gut getan hatte. Die Gäste freuten sich über die gut vorbereiteten, spannenden Fragen und die interessierten jungen Zuhörer. Und die Jugendlichen gingen an diesem Abend nicht nur mit neuen politischen Erkenntnissen nach Hause. Überrascht zeigten sie sich auch davon, dass die beiden Gäste sich - trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit - duzten oder von deren bereitwilligem Eingeständnis, auch schon mal außerhalb vom Blitzlichtgewitter der Pressefotographen auf der Autobahn abgelichtet worden zu sein ...

Robert Weidler